Marktkirche St. Dionys

Sehenswürdigkeiten und Kulturschätze

  • Die Fürstengruft, eine Grablege der Hessischen Landgrafen, die 1626 von
    Landgraf Moritz dem Gelehrten unter dem Chorraum eingebaut wurde.
  • Ein reich verzierter Orgelprospekt, der 1677/79 von dem Orgelbauer Jost
    Friedrich Schaeffer im Knorpelstil geschaffen wurde. Ein einmaliges Ensemble bilden die musizierenden jungen Frauen.
  • Die Glasfenster im Chorraum aus der Zeit des Historismus, die zwischen 1894 und 1901 von der Glasmalwerkstatt K.J. Schultz in Marburg ausgeführt wurden und neben dem Reformationsfenster, Szenen aus dem Leben Jesu und den Apostel Paulus im Gespräch mit der Purpurhändlerin Lydia zeigen.
  • Lesepult, Osterleuchter und Türgriffe aus der Bronzewerkstatt der Künstler
    Hermann und Friedrich Pohl.
  • Das Triptychon „Kreuzabnahme“ des Eschweger Künstlers Günther Schaumberg.
  • Naturdenkmal Linde vor der Kirche

Die Phasen des Kirchenbaus

Unter der heutigen Kirche, die im spätgotischen Stil erbaut ist, wurden bei den Ausgrabungen Reste von vier älteren romanischen Kirchenbauten gefunden.

Der früheste Kirchenbau war wahrscheinlich eine kleine Saalkirche. Außerhalb ihrer Mauern befanden sich Gräber, dies war der zugehörige Friedhof. Funde wie Keramik oder Münzen, die dieses Gebäude datieren könnten, fehlen jedoch. Die zweite Bauphase ist eine Erweiterung der ersten Kirche nach Westen. Der Fußboden liegt nun um einiges höher. Daher wird angenommen, dass viel Zeit zwischen den ersten beiden Phasen liegt. Auch hier fehlen genauere Hinweise auf die Datierung. Es liegt jedoch nahe, dass diese Kirche in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebaut wurde. Von dem darauffolgenden dritten Kirchenbau sind der Fußboden und fünf Pfeilerfundamente erhalten. Der Kirche wurden also Seitenschiffe hinzugefügt. Diese Erweiterung geschah wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ob der Kirchturm, der heute noch steht, bereits zu diesem oder schon zu dem darauffolgenden Gebäude gehört, ist unklar. In der nächsten Bauphase wurden die Pfeiler versetzt und das Gebäude nochmals erweitert. Der Turm stand ursprünglich frei, bis er vom aktuellen gotischen Kirchenbau umschlossen wurde. Aus kunsthistorischer Sicht gehört er in das späte 13. Jahrhundert. Es folgten noch verschiedene weitere spätmittelalterliche Umbauten bis zum Neubau der Kirche in ihrer heutigen Gestalt im späten 15. Jahrhundert.

Die Baugeschichte der Kirche

Die heutige Kirche wurde von 1451 bis 1521 gebaut. Das ist durch zwei Inschriften belegt: Auf dem Grundstein für den Chor an dessen Südwand steht auf Latein, dass er am 11. Juni 1441 gelegt wurde. Der Grundstein für das Langhaus wurde am 11. Juni 1466 gelegt, er befindet sich neben dem Südeingang. Das Langhaus wurde mit der Fertigstellung des Gewölbes im Jahre 1521, also 55 Jahre später, abgeschlossen.

1626 ließ Landgraf Moritz von Hessen-Kassel eine Gruft unter den Chor einbauen. Nachdem 1637 während des Dreißigjährigen Krieges Eschwege und auch die Marktkirche in Brand gesetzt worden waren, wurde die Kirche in den Jahren danach durch Spenden von anderen Kirchengemeinden wiederaufgebaut. Besonders großzügig muss die St.-Petri-Gemeinde in Danzig gespendet haben, denn es hängt ein Bild von ihr in der Sakristei.

1650 wurde das Satteldach über dem Langhaus aufgesetzt, während der Dachstuhl über dem Chor in seiner Originalform den Brand überdauert hatte. Die abschließende Haube des Turms wurde 1656 gebaut. Die Fenster wurden erneuert und die Sandsteinrippen teilweise durch Holz ersetzt, das Maßwerk wurde wieder zusammengesetzt. Auch die Dienste an den Säulen wurden teilweise durch Holzdienste ersetzt. 1657 wurden Emporen eingebaut, bald danach die Kanzel. Von 1669 bis 1677 wurde der Fußboden neu gelegt und 1677 kam schließlich die Orgel in die Kirche.

Die Fürstengruft – Grablege der landgräflichen Familie

Die Fürstengruft liegt unter dem Chorraum der Kirche. Sie wurde 1626 auf Veranlassung von Landgraf Moritz von Hessen-Kassel in die Kirche eingebaut. Die Gruft ist ein einfaches Tonnengewölbe aus Sandstein. Moritz ließ dort vier Familienmitglieder bestatten, zunächst seine Schwiegertochter Agnes Magdalena, Witwe des Landgrafen Otto von Hessen-Kassel, der Moritz’ ältester Sohn gewesen war. Agnes Magdalena starb 1626 im Alter von 36 Jahren.

25 Jahre später folgte eine Enkelin des Landgrafen Moritz, Elisabeth, die 1651 im Alter von nur einem Jahr „an der Kindskrankheit“ starb, vier Jahre später ihr knapp acht Monate alter Bruder. Beide waren Kinder von Moritz’ jüngstem Sohn Friedrich, der im Alter von 38 Jahren im selben Jahr wie sein kleiner Sohn verstarb. Auch er wurde schließlich in der Gruft zur Ruhe gelegt. Alle vier sind in Zinnsärgen bestattet, die mit unterschiedlichen Gravuren, reliefartigen Ziselierungen und in einem Fall Tragegriffen mit Löwenköpfen verziert sind, außerdem mit Grabinschriften.

Innerhalb der Zinnsärge befanden sich Holzinnensärge. Friedrichs Holzsarg war mit Samt bespannt und mit Goldknöpfen verziert. Fast vierzig Jahre später wurden eine weitere Tochter Friedrichs und seine Ehefrau Eleonore Katharina in Holzsärgen begraben, die jedoch im Laufe der Zeit zerfielen.

Nachdem die Fürstengruft in Vergessenheit geraten war, wurde sie Mitte des 20. Jahrhunderts wieder öffentlich zugänglich gemacht. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit wurden die Zinnsärge stark angegriffen, was zu einer erheblichen Verformung der Sargböden führte (Kriechprozess). Deswegen wurde die Gruft 2007 geschlossen und renoviert. Das Tonnengewölbe wurde neu verfugt und ein Sandsteinfußboden verlegt, eine Sandsteintreppe und eine Entlüftung wurden eingebaut. Die Restaurierung der Särge wurde von einem Fachbüro für Grüfte und Metallrestaurierung durchgeführt. In der Werkstatt wurden die Särge gereinigt, zurückgeformt und mittels einer Stützkonstruktion statisch gesichert.

Der reich verzierter Orgelprospekt wurde 1677/79 von dem Orgelbauer Jost Friedrich Schaeffer im Knorpelstil geschaffen. Darunter die musizierenden Jungfrauen, die ein einmaliges Ensemble bilden.

Die Bleiglasfenster

Die zwei- und dreiteiligen Maßwerkfenster im Chor besitzen eine Bleiverglasung, die zwischen 1894 und 1901 von der Glasmalerei K. J. Schultz in Marburg ausgeführt wurde. Bilder und Informationen dazu finden Sie auf dieser Seiter: Marktkirche St. Dionys – Bleiglasfenster 

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